Kontaktlinsen und Schielen

Kurz gesagt: Kontaktlinsen können Schielen nicht direkt korrigieren. Prismen, wie sie in Brillengläsern zum Ausgleich eines Schielwinkels eingesetzt werden, lassen sich in Kontaktlinsen praktisch nicht einbauen.

Es gibt aber eine wichtige Ausnahme: Wird das Schielen durch eine unkorrigierte Weitsichtigkeit ausgelöst (akkommodatives Schielen), kann der Ausgleich der Fehlsichtigkeit das Schielen verringern oder beheben, mit einer Brille oder in geeigneten Fällen auch mit Kontaktlinsen. Bei Kindern ist eine frühe augenärztliche Behandlung wichtig, um eine Schwachsichtigkeit zu verhindern.

Was ist Schielen?

Beim Schielen (Strabismus) sind die beiden Augen nicht gleichzeitig auf denselben Punkt ausgerichtet. Ein Auge weicht nach innen, außen, oben oder unten ab. In Deutschland schielen laut Berufsverband der Augenärzte (BVA) und Deutscher Ophthalmologischer Gesellschaft (DOG) rund vier Millionen Menschen.

Bei Kindern unterdrückt das Gehirn das Bild des schielenden Auges, um Doppelbilder zu vermeiden. Das Auge „lernt“ dann nicht richtig zu sehen, und es entsteht eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie). Ohne Behandlung entwickelt laut BVA und DOG der Großteil der schielenden Kinder eine einseitige Schwachsichtigkeit, die lebenslang bestehen bleibt, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt wird.

Schielen ist nicht gleich Schielen

  • Begleitschielen: Die häufigste Form bei Kindern. Beide Augen sind normal beweglich, stehen aber nicht parallel. Es fällt meist schon im Kleinkindalter auf.
  • Akkommodatives (refraktives) Schielen: Eine Sonderform des Einwärtsschielens. Bei mehr als der Hälfte der Kinder, die ab dem zweiten Lebensjahr nach innen schielen, ist eine unkorrigierte Fehlsichtigkeit die Ursache, meist eine stärkere Weitsichtigkeit. Das Kind muss stark scharf stellen, und dabei drehen die Augen nach innen.
  • Latentes Schielen (Heterophorie): Bei über 70 Prozent aller Menschen nachweisbar. Die Augen werden durch das beidäugige Sehen meist problemlos parallel gehalten. Nur manchmal verursacht es Beschwerden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Unlust beim Lesen.
  • Lähmungsschielen: Entsteht durch eine Störung der Augenmuskeln oder ihrer Nerven, zum Beispiel nach Verletzungen, Schlaganfall oder bei Schilddrüsenerkrankungen. Es führt meist zu Doppelbildern. Plötzlich auftretende Doppelbilder sind ein Notfall und müssen sofort ärztlich abgeklärt werden.

Können Kontaktlinsen Schielen korrigieren?

Prismen: in Kontaktlinsen praktisch nicht möglich

Bei manchen Schielformen gleicht der Augenarzt den Schielwinkel mit Prismen in der Brille aus. Ein Prisma lenkt das Licht so ab, dass beide Augen trotz Abweichung ein gemeinsames Bild sehen. Eine Kontaktlinse bewegt sich mit dem Auge mit und dreht sich beim Blinzeln. Deshalb lassen sich Prismen laut American Academy of Ophthalmology fast nie wirksam in Kontaktlinsen einbauen. Nur in Einzelfällen gelingt mit speziell angepassten Sklerallinsen ein kleiner prismatischer Ausgleich. Der sogenannte Prismenballast in torischen Linsen dient nur der Ausrichtung der Linse und korrigiert kein Schielen.

Akkommodatives Schielen: Kontaktlinsen können wie eine Brille wirken

Liegt dem Einwärtsschielen eine Weitsichtigkeit zugrunde, ist die vollständige Korrektur dieser Fehlsichtigkeit die wichtigste Behandlung. Die Standardlösung ist eine Brille, die ganztägig getragen wird. Sie beseitigt bei etwa zwei Dritteln der Kinder das Schielen. Die amerikanische Leitlinie zur Schwachsichtigkeit nennt ausdrücklich Brille oder Kontaktlinsen als Möglichkeiten, die Fehlsichtigkeit auszugleichen. Kleine Fallserien zeigen, dass Kontaktlinsen bei manchen Kindern den Schielwinkel ähnlich verringern können. Die Datenlage ist aber dünn. Ob Kontaktlinsen in Ihrem Fall infrage kommen, entscheidet der Augenarzt.

Kontaktlinsen bei großem Seitenunterschied

Sind die Stärken beider Augen sehr unterschiedlich (Anisometropie), erzeugt eine Brille unterschiedlich große Bilder. Kontaktlinsen verändern die Bildgröße kaum und werden hier deshalb häufig bevorzugt. Das kann das beidäugige Sehen erleichtern.

Okklusionslinsen als Alternative zum Pflaster

Um ein schwachsichtiges Auge zu trainieren, wird das bessere Auge stundenweise abgedeckt, meist mit einem Pflaster. Klappt das nicht, gibt es undurchsichtige Okklusionskontaktlinsen. Sie werden vom Spezialisten angepasst und kommen nur in ausgewählten Fällen zum Einsatz.

Wie wird Schielen behandelt?

Laut BVA und DOG ruht die Behandlung bei Kindern auf mehreren Säulen:

  • Brille: Gleicht Fehlsichtigkeiten aus, möglich schon im ersten Lebensjahr. Beim akkommodativen Schielen ist sie oft die entscheidende Therapie.
  • Okklusion: Stundenweises Abdecken des besseren Auges, um die Schwachsichtigkeit zu behandeln. Das kann Monate bis Jahre dauern.
  • Operation: Bei etwa der Hälfte der schielenden Kinder nötig, um die Augenstellung zu verbessern. Sie findet meist vor der Einschulung statt, wenn die Schwachsichtigkeit weitgehend behandelt ist.

Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen. BVA und DOG empfehlen eine augenärztliche Vorsorgeuntersuchung spätestens im Alter von 30 bis 42 Monaten, bei Schielverdacht natürlich sofort.

Schielen bei Erwachsenen

Tritt Schielen erst im Erwachsenenalter auf, führt es fast immer zu Doppelbildern, weil das erwachsene Gehirn das zweite Bild nicht mehr unterdrücken kann. Ursachen sind oft Nervenlähmungen, Schilddrüsenerkrankungen oder neurologische Erkrankungen. Behandelt wird mit Prismenbrille, Operation oder anderen Verfahren. Wer wegen eines Prismas eine Brille braucht, aber lieber Kontaktlinsen tragen würde, kann laut AAO oft nur über eine Schieloperation auf die Prismen verzichten.

Häufige Fragen

Helfen Kontaktlinsen gegen Schielen?

Nicht direkt. Nur wenn das Schielen durch eine Weitsichtigkeit verursacht wird, kann der Ausgleich der Fehlsichtigkeit mit Brille oder Kontaktlinsen das Schielen verringern.

Kann ich trotz Schielen Kontaktlinsen tragen?

Ja, zur Korrektur einer Fehlsichtigkeit ist das grundsätzlich möglich. Brauchen Sie Prismen in der Brille, können Kontaktlinsen diese aber meist nicht ersetzen. Sprechen Sie mit Ihrem Augenarzt.

Ab wann können Kinder mit Schielen Kontaktlinsen tragen?

Ein festes Mindestalter gibt es nicht. Bei kleinen Kindern ist die Brille aber fast immer die erste Wahl. Kontaktlinsen kommen vor allem bei großen Seitenunterschieden oder als Okklusionslinse infrage, immer in Absprache mit dem Augenarzt.

Was ist latentes Schielen?

Eine Neigung zum Schielen, die durch das beidäugige Sehen ausgeglichen wird. Sie ist sehr häufig und meist harmlos. Nur wenn sie Beschwerden macht, ist eine Behandlung nötig.

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Quellen

Zuletzt geprüft: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine augenärztliche Untersuchung.