Kurz gesagt: Bei einer Hornhautverkrümmung (Astigmatismus, Stabsichtigkeit) ist die Hornhaut nicht gleichmäßig gewölbt. Das Licht wird deshalb nicht in einem Punkt auf der Netzhaut gebündelt, sondern verzerrt. Man sieht in Nähe und Ferne unscharf. Etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland hat eine Hornhautverkrümmung von mehr als 0,5 Dioptrien.
Eine reguläre Hornhautverkrümmung lässt sich gut mit Brille oder torischen Kontaktlinsen ausgleichen. Bei Babys ist eine leichte Hornhautverkrümmung häufig und bildet sich meist in den ersten Lebensjahren zurück.
Was versteht man unter Hornhautverkrümmung?
Die Hornhaut ist die durchsichtige Vorderfläche des Auges. Zusammen mit der Augenlinse bricht sie das Licht so, dass auf der Netzhaut ein scharfes Bild entsteht. Idealerweise ist sie gleichmäßig gewölbt wie ein Ausschnitt aus einer Kugel. Bei einer Hornhautverkrümmung ist sie in einer Richtung stärker gekrümmt als in der anderen, eher wie die Oberfläche eines Rugbyballs. Lichtstrahlen werden dann je nach Richtung unterschiedlich stark gebrochen, und statt eines Brennpunkts entstehen zwei Brennlinien. Daher kommt auch der Name Stabsichtigkeit: Ein Punkt erscheint wie ein kleiner Strich.
Häufig tritt die Hornhautverkrümmung zusammen mit Kurzsichtigkeit oder Weitsichtigkeit auf. Meist sind beide Augen betroffen, oft aber unterschiedlich stark.
Reguläre und irreguläre Hornhautverkrümmung
- Regulär: Die beiden Hauptrichtungen der Krümmung stehen senkrecht zueinander. Das ist die häufigste Form, meist angeboren und genetisch bedingt. Sie lässt sich mit Zylindergläsern in der Brille oder mit torischen Kontaktlinsen gut korrigieren.
- Irregulär: Die Hornhaut ist unregelmäßig verformt, zum Beispiel durch Narben nach Verletzungen oder Entzündungen, nach Operationen oder durch einen Keratokonus. Brillengläser können das nicht ausgleichen. Hier helfen meist nur individuell angepasste formstabile (harte) Kontaktlinsen oder Sklerallinsen.
Symptome einer Hornhautverkrümmung
Eine leichte Hornhautverkrümmung bemerkt man oft gar nicht. Bei stärkerer Ausprägung zeigen sich typische Beschwerden:
- unscharfes oder verzerrtes Sehen in Nähe und Ferne
- Lichter und Punkte erscheinen verzogen, besonders nachts
- angestrengte, brennende oder schmerzende Augen
- Kopfschmerzen, vor allem nach Bildschirmarbeit oder Lesen
- häufiges Blinzeln oder Zusammenkneifen der Augen
Werte bis etwa 0,5 Dioptrien gelten bei Erwachsenen als normal und müssen oft nicht korrigiert werden. Ob und ab wann eine Korrektur sinnvoll ist, entscheidet der Augenarzt zusammen mit Ihnen.
Wie entsteht eine Hornhautverkrümmung?
- Angeboren: Die reguläre Form ist meist erblich. Haben die Eltern eine Hornhautverkrümmung, ist sie bei den Kindern wahrscheinlicher.
- Verletzungen und Entzündungen: Narben auf der Hornhaut können eine irreguläre Verkrümmung verursachen.
- Nach Operationen: etwa nach einer Grauen-Star- oder Hornhautoperation.
- Keratokonus: Dabei wird die Hornhaut dünner und wölbt sich kegelförmig vor. Er beginnt meist im Jugend- oder jungen Erwachsenenalter und kommt bei etwa einem von 2.000 Menschen vor. Formstabile Kontaktlinsen stellen dann oft eine gute Sicht wieder her. Ein Crosslinking kann das Fortschreiten bremsen.
- Vorübergehend: Ein Gerstenkorn oder Hagelkorn kann durch Druck auf die Hornhaut kurzzeitig einen Astigmatismus verursachen.
Hornhautverkrümmung bei Babys und Kindern
Bei Babys ist eine leichte Hornhautverkrümmung normal. Studien zeigen, dass etwa die Hälfte der Säuglinge in den ersten Lebensmonaten eine Hornhautverkrümmung von mindestens einer Dioptrie hat. Der Wert nimmt vor allem zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr deutlich ab. Mit drei Jahren hat nur noch ein kleiner Teil der Kinder einen nennenswerten Astigmatismus. Frühgeborene sind häufiger und stärker betroffen.
Ab wann braucht ein Kind eine Brille? Feste Grenzwerte gibt es nicht. Die American Academy of Ophthalmology nennt als Orientierung, ausdrücklich auf Basis eines Expertenkonsenses:
| Alter | Astigmatismus auf beiden Augen |
|---|---|
| unter 1 Jahr | ab etwa 3,0 Dioptrien |
| 1 bis 2 Jahre | ab etwa 2,5 Dioptrien |
| 2 bis 3 Jahre | ab etwa 2,0 Dioptrien |
| 3 bis 4 Jahre | ab etwa 1,5 Dioptrien |
Bei großen Unterschieden zwischen beiden Augen oder bei gleichzeitigem Schielen wird oft schon bei geringeren Werten korrigiert. Die endgültige Entscheidung trifft der Augenarzt.
Warum frühe Kontrolle wichtig ist: Bleibt eine stärkere Hornhautverkrümmung unbehandelt, besonders wenn sie nur ein Auge betrifft, kann sich eine Schwachsichtigkeit (Amblyopie) entwickeln. Sie entsteht in der Regel vor dem achten Lebensjahr und lässt sich bei rechtzeitiger Behandlung mit Brille und gegebenenfalls zeitweisem Abkleben eines Auges meist gut behandeln. BVA und DOG empfehlen deshalb eine augenärztliche Untersuchung spätestens im Alter von 30 bis 42 Monaten. Haben die Eltern eine Hornhautverkrümmung, sollte das Kind laut gesund.bund.de schon mit etwa zwei Jahren augenärztlich untersucht werden.
Ist Astigmatismus bei Kindern heilbar? Der Baby-Astigmatismus bildet sich meist von selbst zurück. Eine Hornhautverkrümmung, die im Kindergarten- oder Schulalter noch besteht, bleibt dagegen in der Regel bestehen. Sie lässt sich aber mit Brille oder Kontaktlinsen vollständig ausgleichen. Wichtig ist vor allem, eine Schwachsichtigkeit zu verhindern.
Kontaktlinsen bei Kindern: Ein Mindestalter gibt es nicht. Viele Kinder kommen ab etwa acht bis zehn Jahren gut mit Tageslinsen zurecht. Entscheidend sind Motivation, Hygiene und die Unterstützung der Eltern.
Behandlung: Brille, Kontaktlinsen oder Operation?
Brille
Eine Brille mit Zylindergläsern (torischen Gläsern) gleicht eine reguläre Hornhautverkrümmung zuverlässig aus. Für Kinder ist sie die Standardlösung.
Torische weiche Kontaktlinsen
Torische Kontaktlinsen haben in zwei Richtungen unterschiedliche Stärken. Damit sie richtig wirken, müssen sie sich auf dem Auge stabil ausrichten. Dafür sorgen spezielle Designs, die die Linse beim Blinzeln in die richtige Lage bringen. Torische Linsen gibt es als Tageslinsen, zum Beispiel PRECISION1 for Astigmatism, und als Monatslinsen, etwa Biofinity toric oder AIR OPTIX plus HydraGlyde for Astigmatism. Bei der Anpassung werden neben der Stärke auch Zylinder und Achse bestimmt.
Formstabile Kontaktlinsen
Harte Kontaktlinsen behalten ihre Form auf dem Auge. Zwischen Linse und Hornhaut bildet sich ein Tränenfilm, der Unregelmäßigkeiten der Hornhaut ausgleicht. Bei irregulärer Hornhautverkrümmung und Keratokonus sind sie daher oft die beste Wahl. Auch bei hohem regulärem Astigmatismus liefern sie häufig eine sehr gute Sehschärfe.
Operation
Mit Laserverfahren oder speziellen Kunstlinsen lässt sich eine Hornhautverkrümmung bei Erwachsenen dauerhaft verringern. Die Kosten tragen Sie in der Regel selbst. Bei Kindern kommen Operationen nur in Ausnahmefällen infrage.
Was zahlt die Krankenkasse?
Bei Kindern und Jugendlichen übernimmt die gesetzliche Krankenkasse eine Brille unabhängig von der Stärke. Erwachsene erhalten einen Zuschuss für Brillengläser ab 4,25 Dioptrien Hornhautverkrümmung auf mindestens einem Auge. Für Kontaktlinsen gelten eigene Grenzen, meist ab 3 Dioptrien, bei schräger Achse ab 2 Dioptrien. Bei irregulärem Astigmatismus zahlt die Kasse, wenn Kontaktlinsen die Sehschärfe um mindestens 20 Prozent gegenüber der Brille verbessern. Mehr dazu lesen Sie unter Wie viel kosten Kontaktlinsen?
Häufige Fragen
Wie merke ich, dass ich eine Hornhautverkrümmung habe?
Typisch sind unscharfes oder verzerrtes Sehen in allen Entfernungen, verzogene Lichter in der Nacht, müde Augen und Kopfschmerzen. Sicher feststellen kann es nur der Augenarzt oder Augenoptiker.
Ist Astigmatismus beim Baby normal?
Ja, eine leichte Hornhautverkrümmung ist bei Säuglingen häufig und bildet sich meist bis zum dritten Lebensjahr zurück. Bei stärkeren Werten, großen Unterschieden zwischen den Augen oder Schielen sollte ein Augenarzt das Kind untersuchen.
Kann man mit Hornhautverkrümmung Kontaktlinsen tragen?
Ja. Bei regulärer Hornhautverkrümmung eignen sich torische weiche Kontaktlinsen, bei irregulärer Verkrümmung oder Keratokonus meist formstabile Linsen.
Kann sich eine Hornhautverkrümmung verschlechtern?
Eine reguläre Hornhautverkrümmung bleibt bei Erwachsenen meist recht stabil. Nimmt sie deutlich zu, sollte ein Keratokonus ausgeschlossen werden.
Quellen
- gesund.bund.de (mit IQWiG): Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) und Keratokonus
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Brille und Kontaktlinsen bei Stabsichtigkeit und Schwachsichtigkeit bei Kindern
- American Academy of Ophthalmology: Physiology of Astigmatism (EyeWiki) und Guidelines for refractive correction in infants and young children (PDF) (englisch)
- BVA und DOG: Patienteninformation Schielen (PDF, Vorsorgeempfehlung)
Zuletzt geprüft: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine augenärztliche Untersuchung.