Kurz gesagt: Formstabile Kontaktlinsen, umgangssprachlich „harte Kontaktlinsen“, bestehen aus sauerstoffdurchlässigem Kunststoff und sind kleiner als weiche Linsen. Sie halten meist ein bis zwei Jahre, setzen wenig Ablagerungen an und geben oft eine besonders scharfe Sicht, vor allem bei Hornhautverkrümmung und Keratokonus. Studien zeigen außerdem ein niedrigeres Infektionsrisiko als bei weichen Linsen.
Der Nachteil: Die Eingewöhnung dauert einige Wochen, und beim Sport oder in staubiger Umgebung sind sie weniger praktisch. Eine Linse kostet etwa 70 bis 115 Euro, dazu kommt die Anpassung.
Was sind formstabile Kontaktlinsen?
Formstabile Linsen behalten ihre Form, anders als weiche Linsen, die sich der Hornhaut anschmiegen. Mit den alten harten Linsen aus Plexiglas (PMMA), die keinen Sauerstoff durchließen, sind sie laut Berufsverband der Augenärzte (BVA) und Deutscher Ophthalmologischer Gesellschaft (DOG) „nicht mehr zu vergleichen“. Heutige Materialien sind gasdurchlässig, man spricht auch von GP- oder RGP-Linsen.
Mit einem Durchmesser von meist etwa 9 bis 10 Millimetern bedecken sie nur einen Teil der Hornhaut. Bei jedem Lidschlag bewegt sich die Linse etwas, und der Tränenfilm darunter wird ausgetauscht. Zwischen Linse und Hornhaut bildet sich eine dünne Tränenschicht, die wie eine zusätzliche Linse wirkt und Unregelmäßigkeiten der Hornhaut ausgleicht.
Sonderformen sind Sklerallinsen, große formstabile Linsen, die auf der Lederhaut aufliegen, und Hybridlinsen mit hartem Zentrum und weichem Rand. Über Nacht getragene formstabile Linsen zur Korrektur der Kurzsichtigkeit heißen Ortho-K-Linsen.
Vorteile
- Scharfe Sicht: besonders bei mittlerer bis starker Hornhautverkrümmung und unregelmäßiger Hornhaut. Bei Keratokonus sind sie meist erste Wahl.
- Viel Sauerstoff für die Hornhaut durch Material und Tränenaustausch.
- Lange haltbar: etwa ein bis zwei Jahre, je nach Material und Hersteller.
- Wenig Ablagerungen und gut geeignet bei Neigung zu Eiweißablagerungen oder Allergien.
- Niedrigeres Infektionsrisiko: In einer britischen Studie lag das Risiko für eine mikrobielle Keratitis mit formstabilen Linsen deutlich unter dem weicher Austauschlinsen. Laut BVA und DOG „verringern“ sie „das Infektionsrisiko erheblich“.
- Auf Dauer oft günstig und wenig Verpackungsmüll.
Nachteile
- Eingewöhnung: Am Anfang spürt man die Linse deutlicher. Laut FDA dauert die Gewöhnung einige Wochen, bei weichen Linsen nur Tage.
- Staub und Fremdkörper können unter die Linse geraten und schmerzen. In staubiger Umgebung sind sie deshalb weniger geeignet.
- Sport: Sie können leichter verrutschen. Für Ball- und Kampfsport sind weiche Linsen meist besser.
- Gelegentliches Tragen ist schwieriger, weil das Auge die Gewöhnung schneller verliert.
- Verlust ist teurer, weil jede Linse individuell gefertigt wird.
Weich oder formstabil? Der Vergleich
| Formstabile Linsen | Weiche Linsen | |
|---|---|---|
| Eingewöhnung | einige Wochen | meist wenige Tage |
| Sicht bei Hornhautverkrümmung | sehr gut, auch bei unregelmäßiger Hornhaut | gut mit torischen Linsen bei regelmäßiger Verkrümmung |
| Haltbarkeit | ca. 1–2 Jahre | 1 Tag bis 1 Monat (selten 1 Jahr) |
| Infektionsrisiko | eher niedriger | höher, am niedrigsten bei Tageslinsen |
| Sport, Staub | weniger geeignet | gut geeignet |
| Gelegentlich tragen | schwierig | problemlos, besonders Tageslinsen |
In Deutschland haben formstabile Linsen eine lange Tradition. In internationalen Erhebungen lag ihr Anteil an den Neuanpassungen hierzulande 2015 bei rund 57 Prozent und 2018 bei rund 35 Prozent, weltweit nur bei etwa 7 bis 11 Prozent.
Eingewöhnung: So klappt der Start
In den ersten Tagen tragen Sie die Linsen nur einige Stunden und steigern die Tragezeit dann schrittweise bis zu dem Maximum, das Ihr Anpasser empfiehlt. Das Fremdkörpergefühl lässt meist nach einigen Tagen bis wenigen Wochen nach. Wichtig ist, die Linsen in dieser Zeit regelmäßig zu tragen. Mehr dazu unter Kontaktlinsen-Eingewöhnung. Starke Schmerzen, Rötung oder schlechtere Sicht sind keine normalen Eingewöhnungsbeschwerden. Dann die Linsen herausnehmen und zum Augenarzt gehen.
Was kosten harte Kontaktlinsen?
Formstabile Linsen werden individuell gefertigt. Eine Linse kostet je nach Material und Hersteller etwa 70 bis 115 Euro, Speziallinsen für Keratokonus mehr. Die Anpassung kostet je nach Anbieter etwa 80 bis 230 Euro. Weil eine Linse ein bis zwei Jahre hält, liegen die Linsenkosten pro Jahr oft unter denen von Tageslinsen. Einen Vergleich finden Sie unter Wie viel kosten Kontaktlinsen? und Jahreslinsen.
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt nur bei medizinischer Notwendigkeit, etwa bei Keratokonus, sehr hoher Kurz- oder Weitsichtigkeit ab 8 Dioptrien oder starker Hornhautverkrümmung. Dann sind formstabile Linsen laut Verbraucherzentrale die Regelversorgung. Pflegemittel zahlen Sie selbst.
Pflege formstabiler Linsen
- Eigene Pflegemittel: Pflegesysteme für weiche und harte Linsen dürfen nicht vertauscht werden. Für formstabile Linsen gibt es Kombilösungen wie MeniCare Plus. Auch manche Peroxidsysteme sind zugelassen. Eine Übersicht finden Sie unter Kontaktlinsenlösung für harte Linsen.
- Täglich: nach dem Absetzen abreiben, abspülen und in frischer Lösung aufbewahren.
- Wöchentlich: Proteinentferner oder Intensivreiniger, zum Beispiel Hartlinsen-Reiniger, nach Angabe des Herstellers.
- Kein Leitungswasser an Linse und Behälter. Den Behälter regelmäßig ersetzen.
- Herausnehmen: meist per Lidtechnik. Wer damit Schwierigkeiten hat, kann sich einen Kontaktlinsensauger zeigen lassen.
Die ausführliche Anleitung finden Sie unter Kontaktlinsen richtig reinigen.
Häufige Fragen
Sind harte Kontaktlinsen besser als weiche?
Nicht grundsätzlich. Sie bieten oft schärfere Sicht und ein niedrigeres Infektionsrisiko, brauchen aber eine längere Eingewöhnung. Für Sport und gelegentliches Tragen sind weiche Linsen meist praktischer.
Wie lange halten harte Kontaktlinsen?
Meist ein bis zwei Jahre. Die genaue Austauschfrist nennt der Hersteller oder Ihr Anpasser.
Tun harte Kontaktlinsen weh?
Nein. Am Anfang spürt man sie, das legt sich meist nach einigen Tagen bis Wochen. Schmerzen sind ein Warnzeichen.
Kann man mit harten Kontaktlinsen Sport machen?
Bei vielen Sportarten ja. Bei Ball- und Kampfsport sowie in staubiger Umgebung sind weiche Linsen besser geeignet.
Sind harte Kontaktlinsen bei Keratokonus sinnvoll?
Ja, sie sind meist die erste Wahl, weil sie die unregelmäßige Hornhaut ausgleichen.
Weiterlesen
- Welches ist das beste Material für Kontaktlinsen?
- Torische Kontaktlinsen
- Pflegemittel für harte Kontaktlinsen im Preisvergleich
Quellen
- BVA und DOG: Patienteninformation Kontaktlinsen (PDF)
- FDA: Types of Contact Lenses (englisch)
- American Academy of Ophthalmology: Contact Lenses for Vision Correction (englisch)
- Kuratorium Gutes Sehen: Formstabile Kontaktlinsen
- Dart et al., Ophthalmology 2008: Risk factors for microbial keratitis with contemporary contact lenses (englisch)
- Contact Lens Spectrum: International Contact Lens Prescribing in 2015 und … in 2018 (englisch)
- Verbraucherzentrale: Neue Brille? Krankenkasse zahlt nur in Ausnahmefällen
- Menicon: Progent (englisch)
Zuletzt geprüft: Oktober 2026.