Kurz gesagt: Jede Kontaktlinse braucht eine Eingewöhnung. Bei weichen Linsen dauert sie oft nur wenige Stunden bis Tage. Bei harten (formstabilen) Linsen rechnen Sie mit etwa ein bis drei Wochen. Leichtes Fremdkörpergefühl, etwas Tränen oder ein ungewohntes Seh- und Schwindelgefühl sind am Anfang normal. Schmerzen, starke Rötung oder eine Verschlechterung der Sicht sind es nicht.
Dann nehmen Sie die Linsen heraus und gehen zum Augenarzt.
Kontaktlinsen Eingewöhnungsphase
Endlich sind die ersten Kontaktlinsen da, und dann fühlt sich das Sehen anders an als erwartet. Das ist ganz normal. Ihre Augen und Ihr Gehirn müssen sich an zwei Dinge gewöhnen: an einen Fremdkörper direkt auf der Hornhaut und an ein Sehen ohne Brillenrahmen. Viele sehen mit Kontaktlinsen sogar natürlicher, weil der Rand der Brille fehlt und das Blickfeld größer wird.
Laut Patienteninformation des Berufsverbands der Augenärzte (BVA) und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) dauert die Eingewöhnung je nach Empfindlichkeit und Sitz der Linse „Stunden bis Wochen“. Weiche Linsen bemerken viele Träger schon zu Beginn kaum.
| Weiche Kontaktlinsen | Harte (formstabile) Kontaktlinsen | |
|---|---|---|
| Typische Eingewöhnung | Stunden bis wenige Tage | ca. 1–3 Wochen |
| Gefühl am Anfang | kaum spürbar, evtl. leichtes Kratzen | deutliches Fremdkörpergefühl am Lidrand, Tränen |
| Tragezeit am Anfang | einige Stunden, schrittweise steigern | wenige Stunden, langsam steigern |
| Nach längerer Pause | meist sofort wieder angenehm | oft kurze erneute Eingewöhnung |
Fremdkörpergefühl durch Kontaktlinsen
Am Anfang meldet das Auge: Da ist etwas, das nicht hingehört. Die Hornhaut gehört zu den empfindlichsten Geweben des Körpers. Typisch sind ein leichtes Kratzen, vermehrter Tränenfluss oder das Gefühl, eine Wimper im Auge zu haben.
- Weiche Linsen: Das Gefühl verschwindet meist innerhalb von Minuten bis Stunden.
- Harte Linsen: Hier spüren Sie vor allem den Lidrand, der beim Blinzeln über die Linsenkante gleitet. Das legt sich meist nach ein bis drei Wochen.
Plötzlich stechender Schmerz direkt nach dem Einsetzen ist dagegen kein Gewöhnungseffekt. Oft ist dann ein Staubkorn unter der Linse oder die Linse sitzt verkehrt herum (bei weichen Linsen). Nehmen Sie sie heraus, spülen Sie sie mit Pflegelösung ab und setzen Sie sie neu ein. Verschwindet das Fremdkörpergefühl auch nach der Eingewöhnungszeit nicht, sprechen Sie mit Ihrem Augenarzt oder Optiker. Vielleicht passt die Linse nicht optimal. Mehr dazu lesen Sie in unserem Ratgeber zum Fremdkörpergefühl bei Kontaktlinsen.
Schwindel durch Kontaktlinsen
Ein leichtes Schwindelgefühl oder das Gefühl, der Boden sei näher oder weiter weg, ist in den ersten Tagen häufig. Dafür gibt es mehrere Gründe:
- Andere Bildgröße: Brillengläser sitzen etwa 12 mm vor dem Auge und verändern dadurch die Bildgröße. Minusgläser bei Kurzsichtigkeit verkleinern das Bild, Plusgläser bei Weitsichtigkeit vergrößern es. Kontaktlinsen liegen direkt auf dem Auge und verändern die Bildgröße kaum. Kurzsichtige sehen mit Linsen die Welt also etwas größer als mit Brille, Weitsichtige etwas kleiner. Das Gehirn braucht ein paar Tage, um Abstände neu einzuschätzen.
- Andere Werte als bei der Brille: Die Stärke der Kontaktlinse ist nicht immer gleich der Brillenstärke. Vor allem ab etwa ±4 Dioptrien wird sie wegen des fehlenden Abstands umgerechnet. Das Brillenrezept ist deshalb nicht 1:1 auf Kontaktlinsen übertragbar.
- Mehr Naharbeit für Kurzsichtige: Mit Kontaktlinsen müssen kurzsichtige Augen beim Lesen etwas mehr scharf stellen als mit Brille. Das kann am Anfang anstrengend sein und vor allem ab Mitte 40 auffallen.
- Kein Rahmen mehr: Das Blickfeld ist plötzlich größer und am Rand scharf. Auch das ist ungewohnt.
- Nicht korrigierte Hornhautverkrümmung: Wird ein Astigmatismus mit einer normalen statt einer torischen Linse nicht ausgeglichen, kann das zu Kopfschmerzen und unruhigem Sehen führen.
In der Regel lässt der Schwindel innerhalb weniger Tage nach. Hält er länger als etwa eine Woche an, kommen Kopfschmerzen hinzu oder sehen Sie nicht scharf, lassen Sie die Werte überprüfen. Bei Mehrstärkenlinsen dauert die Gewöhnung oft ein bis zwei Wochen, weil das Gehirn lernen muss, zwischen Nah- und Fernbereich zu wählen.
Harte Kontaktlinsen: Eingewöhnung braucht Geduld
Formstabile Linsen sind kleiner als die Hornhaut und bewegen sich bei jedem Lidschlag. Gerade das macht sie für viele Augen sehr gut verträglich: Unter der Linse wird ständig Tränenflüssigkeit ausgetauscht, und das Material lässt viel Sauerstoff durch. Laut BVA und DOG gelten formstabile Linsen und Silikon-Hydrogel-Linsen bei trockenen oder empfindlichen Augen meist als besonders geeignet. Der Preis dafür ist die längere Eingewöhnung.
- Tragen Sie die Linsen am Anfang regelmäßig, am besten täglich. Lange Pausen verlängern die Eingewöhnung.
- Schauen Sie in den ersten Tagen eher leicht nach unten. Das verringert den Kontakt der Linsenkante mit dem Oberlid.
- Bei Wind und Staub kann ein Körnchen unter die Linse gelangen. Das schmerzt sofort. Linse herausnehmen, abspülen, neu einsetzen.
Tragezeit von Kontaktlinsen
Steigern Sie die Tragezeit schrittweise und halten Sie sich an den Plan, den Sie bei der Anpassung bekommen haben. Ein häufig genutztes Schema sieht so aus:
- Weiche Linsen: Am ersten Tag etwa vier bis sechs Stunden, dann täglich ein bis zwei Stunden länger.
- Harte Linsen: Am ersten Tag zwei bis vier Stunden, dann täglich etwa eine Stunde länger, über ein bis zwei Wochen.
Tragen Sie in den Pausen wie gewohnt Ihre Brille. Nach der Eingewöhnung gilt die vom Hersteller und Anpasser angegebene maximale Tragezeit. Bei modernen Silikon-Hydrogel-Linsen liegt sie oft bei bis zu 14 Stunden täglich. Der BVA weist darauf hin, dass das Tragegefühl allein kein guter Maßstab ist. Veränderungen am Auge durch zu langes Tragen können unbemerkt entstehen.
Über Nacht: Kontaktlinsen werden grundsätzlich nicht beim Schlafen getragen. Nur Linsen, die ausdrücklich für das Dauertragen zugelassen sind, dürfen nach augenärztlicher Freigabe auch über Nacht im Auge bleiben. Auch dann sind regelmäßige linsenfreie Nächte sinnvoll. Während der Eingewöhnung ist Dauertragen tabu.
Warnzeichen: Wann Sie nicht abwarten sollten
Nehmen Sie die Linsen sofort heraus und gehen Sie zum Augenarzt, wenn eines davon auftritt:
- Schmerzen im Auge, die nach dem Herausnehmen nicht schnell abklingen
- deutliche Rötung
- starke Lichtempfindlichkeit
- Verschlechterung der Sehschärfe oder Schleiersehen
- Ausfluss oder verklebte Lider
Das gehört nicht zur Eingewöhnung und kann auf eine Entzündung oder Verletzung der Hornhaut hinweisen.
So gelingt die Eingewöhnung an Kontaktlinsen
- Professionell anpassen lassen: Lassen Sie Ihre Linsen beim Augenarzt oder Optiker anpassen. Dort wird geprüft, ob Ihre Augen geeignet sind und welches Material passt. Sie lernen außerdem das Einsetzen, Herausnehmen und die Pflege.
- Kontrolltermine wahrnehmen: Die erste Nachkontrolle findet oft nach ein bis zwei Wochen statt. Gehen Sie auch hin, wenn alles gut läuft.
- Hygiene von Anfang an: Hände waschen, nie Leitungswasser an Linse oder Behälter, Pflegemittel täglich erneuern.
- Erst Linsen, dann Make-up: Abends erst die Linsen herausnehmen, dann abschminken.
- Bei Trockenheit: An Bildschirm, im Auto oder im Flugzeug helfen unkonservierte Benetzungstropfen und bewusstes Blinzeln. Auch Kontaktlinsen im Winter mit trockener Heizungsluft brauchen etwas mehr Pflege.
- Geduld beim Einsetzen: Viele scheuen sich, sich ins Auge zu fassen. Nach ein paar Tagen Übung klappt das Einsetzen und Herausnehmen meist ganz nebenbei.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Eingewöhnung an Kontaktlinsen?
Bei weichen Linsen meist wenige Stunden bis Tage, bei harten Linsen etwa ein bis drei Wochen. Mehrstärkenlinsen brauchen oft ein bis zwei Wochen, bis das Sehen in allen Entfernungen selbstverständlich wirkt.
Ist Schwindel mit neuen Kontaktlinsen normal?
Ein leichtes Schwindelgefühl in den ersten Tagen ist häufig, vor allem beim Wechsel von der Brille. Grund ist die veränderte Bildgröße und Wahrnehmung von Abständen. Hält es länger als etwa eine Woche an oder kommen Kopfschmerzen dazu, lassen Sie die Werte prüfen.
Wie lange sollte man Kontaktlinsen am ersten Tag tragen?
Bei weichen Linsen sind etwa vier bis sechs Stunden üblich, bei harten Linsen zwei bis vier Stunden. Maßgeblich ist der Tragezeitplan, den Sie bei der Anpassung erhalten.
Warum sehe ich mit Kontaktlinsen anders als mit der Brille?
Die Kontaktlinse sitzt direkt auf dem Auge, die Brille etwa 12 mm davor. Dadurch ändern sich Bildgröße, Blickfeld und teilweise die nötige Stärke. Kurzsichtige sehen mit Linsen etwas größer, Weitsichtige etwas kleiner als mit Brille.
Harte Kontaktlinsen: Wird die Eingewöhnung irgendwann leichter?
Ja. Die meisten Träger spüren ihre formstabilen Linsen nach zwei bis drei Wochen kaum noch. Wichtig ist, die Linsen in dieser Zeit regelmäßig zu tragen. Bleibt das Fremdkörpergefühl, sollte der Sitz geprüft werden.
Weiterlesen
- Irrtümer über Kontaktlinsen
- Silikon-Hydrogel-Kontaktlinsen
- Kontaktlinse im Auge verloren? So handeln Sie richtig
Quellen
- BVA und DOG: Patienteninformation Kontaktlinsen (PDF)
- SightMD: Why is my vision different between glasses and contacts? (englisch)
- American Academy of Ophthalmology: Dizziness and prescription difference between eyes (englisch)
Zuletzt geprüft: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine augenärztliche Beratung.