Kontaktlinsen vom Optiker oder Augenarzt?

Kurz gesagt: In Deutschland dürfen sowohl Augenoptiker als auch Augenärzte Kontaktlinsen anpassen. Beim Augenoptiker ist die Anpassung meist der Standardweg. Seit 2026 gehört eine vollständige Kontaktlinsenanpassung auch zur Meisterprüfung. Krankheiten des Auges erkennen und behandeln darf aber nur der Augenarzt.

Der Berufsverband der Augenärzte empfiehlt deshalb, vor der ersten Anpassung die Augen augenärztlich untersuchen zu lassen. Bei Keratokonus, Kindern, Vorerkrankungen oder Beschwerden führt am Augenarzt ohnehin kein Weg vorbei.

Wer darf Kontaktlinsen anpassen?

Augenoptiker Augenarzt
Kontaktlinsen anpassen ja ja
Sehstärke und Hornhaut vermessen ja ja
Auffälligkeiten erkennen und weiterschicken ja –
Augenkrankheiten diagnostizieren und behandeln nein ja
Medikamente verordnen nein ja
Kontaktlinsen verkaufen ja eher selten

Laut Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) prüft der Optiker zuerst das Auge, ermittelt durch Vermessung Linsentyp und Werte, zeigt das Einsetzen und die Pflege und übernimmt die Nachkontrollen. Die Grenze zur Heilkunde ist klar: Augenkrankheiten zu diagnostizieren und zu behandeln, ist Ärzten vorbehalten. Optiker sollen Auffälligkeiten erkennen und an den Augenarzt verweisen.

Was sagen die Fachverbände?

  • Berufsverband der Augenärzte (BVA): Bei der ersten Anpassung sollte ein Augenarzt feststellen, ob die Augen gesund sind. Nur der Augenarzt könne entscheiden, ob die Augen für Kontaktlinsen geeignet sind.
  • Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) und Kuratorium Gutes Sehen: Die Anpassung soll ein Fachmann übernehmen, also Augenoptiker, Optometrist oder Augenarzt. Wichtig sei vor allem, Kontaktlinsen nicht in Eigenregie zu kaufen.

Beide Seiten sind sich einig: Kontaktlinsen gehören angepasst und regelmäßig kontrolliert. Uneinig sind sie, wer zuerst draufschauen sollte.

So läuft die Anpassung ab

Ob beim Optiker oder Augenarzt, die Schritte sind ähnlich: Gespräch über Alltag und Vorerkrankungen, Messung der Sehstärke, Vermessung der Hornhaut, Untersuchung von Hornhaut, Lidern und Tränenfilm an der Spaltlampe, Probetragen mit Sitzkontrolle sowie eine Einweisung in Einsetzen und Pflege. Laut Kuratorium Gutes Sehen folgt eine Testphase von zwei bis drei Wochen, am Ende gibt es einen Kontaktlinsenpass mit allen Werten. Ausführlich beschreibt das unser Ratgeber Kontaktlinsen anpassen lassen.

Was kostet die Anpassung?

Wo Richtwert
Augenoptiker, weiche Linsen ca. 65–95 €
Augenoptiker, formstabile Linsen ca. 80–150 €
Augenoptiker, Speziallinsen ab ca. 150 €
Augenarzt (Selbstzahlerleistung nach GOÄ) je nach Aufwand und Steigerungssatz; Linsen kommen extra dazu

Die Preise legt jeder Anbieter selbst fest. Fragen Sie vorher, was enthalten ist, zum Beispiel Probelinsen und Nachkontrollen. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt Kontaktlinsen nur, wenn sie medizinisch notwendig sind, etwa bei Keratokonus oder sehr hohen Stärken. Mehr dazu unter Wie viel kosten Kontaktlinsen?

Wann sollten Sie zum Augenarzt?

  • vor der ersten Anpassung, wenn Sie Ihre Augen untersuchen lassen möchten (Empfehlung des BVA)
  • bei Keratokonus und anderen Hornhauterkrankungen
  • bei Kindern, besonders zur Myopiekontrolle oder mit Ortho-K-Linsen
  • bei Vorerkrankungen, regelmäßiger Medikamenteneinnahme oder in der Schwangerschaft
  • sofort bei Rötung, Schmerzen oder schlechterem Sehen mit Kontaktlinsen

Kontrollen nicht vergessen

Laut BVA und ZVA sollten weiche Linsen alle sechs Monate, formstabile einmal im Jahr kontrolliert werden. Die erste Kontrolle nach der Anpassung erfolgt meist nach ein bis zwei Wochen. Kontrollen sind auch dann wichtig, wenn Sie keine Beschwerden haben, denn manche Veränderungen an der Hornhaut spürt man nicht.

„Kontaktlinsenspezialist“ und „Optometrist“

Der Begriff „Kontaktlinsenspezialist“ ist nicht gesetzlich geschützt. Der ZVA vergibt aber ein Zertifikat „Spezialist für Kontaktlinsen“: Voraussetzung sind mindestens der Meistertitel, 100 Anpassungen in zwei Jahren, davon 50 formstabile, die nötigen Geräte und regelmäßige Fortbildung. Auch „Optometrist“ ist keine geschützte Berufsbezeichnung. Laut ZVA setzt sie aber Kompetenzen deutlich über dem Meisterniveau voraus, etwa ein Studium der Augenoptik/Optometrie.

Nach der Anpassung online nachbestellen?

Haben Sie Ihre Linse gefunden, können Sie Nachbestellungen mit denselben Werten auch online kaufen und Preise vergleichen. Wichtig: Produktname, Stärke, Basiskurve und Durchmesser müssen genau stimmen, denn die Werte unterscheiden sich je nach Hersteller. Die regelmäßigen Kontrollen beim Optiker oder Augenarzt ersetzt der Online-Kauf nicht.

Häufige Fragen

Muss ich für Kontaktlinsen zum Augenarzt?

Gesetzlich nicht. Auch Augenoptiker dürfen Kontaktlinsen anpassen. Der Berufsverband der Augenärzte empfiehlt aber eine augenärztliche Untersuchung vor der ersten Anpassung.

Ist der Optiker oder der Augenarzt besser?

Beide können gut anpassen. Entscheidend sind Erfahrung und Sorgfalt. Bei Erkrankungen oder Speziallinsen ist der Augenarzt die richtige Adresse.

Was kostet die Kontaktlinsenanpassung beim Optiker?

Je nach Linsenart etwa 65 bis 150 Euro, bei Speziallinsen mehr.

Zahlt die Krankenkasse die Anpassung?

Nur wenn Kontaktlinsen medizinisch notwendig sind. Sonst zahlen Sie selbst.