Sind Kontaktlinsen schädlich?

Kurz gesagt: Bei richtiger Anpassung, Pflege und Tragezeit sind Kontaktlinsen eine sichere Sehhilfe. Mindestens 3,4 Millionen Menschen in Deutschland tragen sie. Ein Restrisiko bleibt: Pro Jahr bekommen etwa 2 von 10.000 Trägern weicher Linsen, die nur tagsüber getragen werden, eine bakterielle Hornhautentzündung. Wer mit Linsen schläft, hat ein vielfach höheres Risiko.

Die meisten Schäden entstehen durch vermeidbare Fehler: Schlafen mit Linsen, Wasser, mangelnde Hygiene und Linsen ohne Anpassung.

Wie groß ist das Risiko?

Die bekannteste Studie dazu stammt aus Australien (Stapleton et al. 2008). Sie zählte schwere Hornhautentzündungen durch Keime (mikrobielle Keratitis):

Linsenart und Tragweise Fälle pro 10.000 Träger und Jahr
formstabile Linsen, nur tagsüber 1,2
weiche Linsen, nur tagsüber 1,9
Tageslinsen 2,0
Tageslinsen, gelegentlich über Nacht 4,2
Silikon-Hydrogel, nur tagsüber 11,9
weiche Linsen über Nacht 19,5
Silikon-Hydrogel über Nacht 25,4

Bleibende Sehschäden traten bei etwa 0,6 von 10.000 Trägern pro Jahr auf. Neuere Materialien haben die Häufigkeit nicht gesenkt. Entscheidend ist, wie die Linsen getragen und gepflegt werden.

Die größten Risikofaktoren

  • Schlafen mit Linsen: der wichtigste Risikofaktor, siehe Kontaktlinsen über Nacht.
  • Wasser an der Linse: Leitungs-, Dusch- und Badewasser können Akanthamöben enthalten. In einer britischen Studie erhöhte schon das Duschen mit Tageslinsen das Risiko etwa um das Dreifache.
  • Mangelnde Hygiene: schlecht gepflegter Behälter, aufgefüllte statt frische Lösung. In einer US-Befragung zeigten über 99 Prozent der Träger mindestens ein riskantes Verhalten.
  • Linsen ohne Anpassung: In der australischen Studie war auch der Linsenkauf im Internet ein Risikofaktor, ebenso Rauchen und weniger als sechs Monate Trageerfahrung.
  • Farbige Linsen ohne Anpassung: Sie sind Medizinprodukte und laut Studien mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden, siehe Farbige Kontaktlinsen.

Gibt es Langzeitschäden?

Komplikationen betreffen laut internationalem Expertenbericht (BCLA CLEAR) etwa ein Drittel der Träger irgendwann, die meisten davon sind mild. Bei Sauerstoffmangel können über Jahre Gefäße in die Hornhaut einwachsen, siehe Sauerstoffmangel (Hypoxie). Das betraf vor allem ältere, kaum sauerstoffdurchlässige Materialien. Heutige Linsen sind laut BVA und DOG damit nicht mehr zu vergleichen.

Weil manche Veränderungen anfangs nicht wehtun, sind regelmäßige Kontrollen wichtig. Die Augenärzte betonen, dass Schäden entstehen können, bevor man sie selbst bemerkt.

So tragen Sie Kontaktlinsen sicher

  1. Linsen beim Augenoptiker oder Augenarzt anpassen lassen und regelmäßig kontrollieren.
  2. Nicht mit Linsen schlafen, außer sie sind dafür zugelassen und freigegeben.
  3. Kein Wasser an die Linse: nicht abspülen, nicht mit Linsen duschen oder schwimmen.
  4. Hände waschen, täglich frische Lösung, Behälter regelmäßig ersetzen.
  5. Austauschintervall einhalten, Tageslinsen nur einmal tragen.
  6. Bei roten, schmerzenden oder lichtempfindlichen Augen Linsen sofort herausnehmen und zum Augenarzt.

Die häufigsten Fehler im Detail: 10 typische Fehler mit Kontaktlinsen.

Häufige Fragen

Sind Kontaktlinsen schlecht für die Augen?

Nicht, wenn sie angepasst und richtig gepflegt werden. Das Risiko entsteht vor allem durch Fehler beim Tragen und bei der Hygiene.

Sind Tageslinsen sicherer als Monatslinsen?

Bei Akanthamöben ja: Mehrfach verwendbare weiche Linsen hatten in einer Studie ein fast viermal so hohes Risiko wie Tageslinsen. Für bakterielle Entzündungen ist vor allem entscheidend, dass Sie nicht mit Linsen schlafen.

Wie lange kann man Kontaktlinsen im Leben tragen?

Eine feste Grenze gibt es nicht. Viele tragen Linsen jahrzehntelang, solange die Augen sie gut vertragen und regelmäßig kontrolliert werden.

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Quellen

Zuletzt geprüft: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine augenärztliche Beratung.