Sauerstoffmangel (Hypoxie) durch Kontaktlinsen

Kurz gesagt: Die Hornhaut hat keine Blutgefäße und holt sich ihren Sauerstoff direkt aus der Luft. Eine Kontaktlinse liegt dazwischen. Lässt sie zu wenig Sauerstoff durch, etwa bei zu langer Tragezeit, beim Schlafen mit Linsen oder bei älteren Linsenmaterialien, kann die Hornhaut anschwellen, sich röten und auf Dauer Blutgefäße einwachsen lassen.

Moderne Linsen aus Silikon-Hydrogel und formstabile Linsen haben das Problem für die meisten Träger weitgehend gelöst. Entscheidend sind die Sauerstoffdurchlässigkeit der Linse und Ihre Tragegewohnheiten.

Wie bekommt die Hornhaut Sauerstoff?

Bei offenem Auge nimmt die Hornhaut Sauerstoff über den Tränenfilm direkt aus der Luft auf. Bei geschlossenem Auge, also im Schlaf, kommt er nur noch aus den Blutgefäßen der Lidinnenseite, und zwar deutlich weniger: Der Sauerstoffdruck sinkt laut Fachliteratur von etwa 155 auf 50 bis 60 mmHg. Eine Kontaktlinse ist eine zusätzliche Barriere. Wie viel Sauerstoff sie durchlässt, gibt der Dk/t-Wert an.

Wie viel Sauerstoff braucht die Hornhaut?

Studie Tragen am Tag Tragen über Nacht
Holden und Mertz (1984) Dk/t mindestens 24 Dk/t 87
Harvitt und Bonanno (1999) Dk/t 35 Dk/t 125

Die Werte stammen aus Studien zur Hornhautschwellung und zum Sauerstoffbedarf aller Hornhautschichten. Fachleute diskutieren bis heute, welcher Wert genau nötig ist. Zum Vergleich: Die Hydrogel-Tageslinse 1-DAY ACUVUE MOIST hat laut Hersteller einen Dk/t von 25,5, bekannte Silikon-Hydrogel-Linsen liegen zwischen 147 und 175. Beispiele mit Herstellerwerten finden Sie unter Silikon-Hydrogel-Kontaktlinsen.

Folgen von Sauerstoffmangel

Veränderung Was passiert
Hornhautödem Die Hornhaut schwillt an, morgens kann die Sicht trüb sein, manchmal mit Lichthöfen um Lampen.
Limbusrötung Rötung am Rand der Hornhaut, oft das erste sichtbare Zeichen.
Mikrozysten Winzige Bläschen in der obersten Hornhautschicht, nur an der Spaltlampe sichtbar.
Neovaskularisation Blutgefäße wachsen vom Rand in die Hornhaut ein. Anfangs ohne Beschwerden.
Endothelveränderungen Die Zellen der innersten Hornhautschicht werden unregelmäßig groß.

Nicht alles bildet sich zurück. In einer Studie von Holden und Kollegen (1985) mit Trägern, die jahrelang Hydrogel-Linsen auch über Nacht trugen, erholten sich Epithel und Sauerstoffaufnahme nach dem Absetzen innerhalb weniger Wochen. Die Veränderungen der innersten Zellschicht gingen dagegen kaum zurück. Ein Fortschreiten eingewachsener Gefäße lässt sich gut stoppen. Zur langfristigen Rückbildung gibt es aber nur wenige Daten, oft bleiben feine, leere „Geistergefäße“ sichtbar.

Woran merken Sie Sauerstoffmangel?

Oft gar nicht, gerade die Gefäßeinsprossung verursacht anfangs keine Beschwerden. Hinweise können sein:

  • gerötete Augen, vor allem am Hornhautrand
  • morgens trübe Sicht oder Lichthöfe, die im Laufe des Tages verschwinden
  • die Linsen werden zunehmend unangenehm, die Tragezeit wird kürzer

Deshalb sind regelmäßige Kontrollen beim Anpasser oder Augenarzt wichtig: Mit der Spaltlampe sind Veränderungen früh erkennbar. Mehr dazu unter Optiker oder Augenarzt?

Risikofaktoren

  • Schlafen mit Linsen: Über Nacht ist der Sauerstoffbedarf am schwersten zu decken. Nur dafür zugelassene Linsen und nur nach Absprache, siehe Kontaktlinsen über Nacht.
  • Zu lange Tragezeit: Tag für Tag deutlich länger tragen als empfohlen.
  • Linsen mit geringer Sauerstoffdurchlässigkeit: etwa dicke Hydrogel-Linsen bei hohen Stärken. Alte harte Linsen aus PMMA ließen gar keinen Sauerstoff durch, sie sind heute kaum noch im Gebrauch.
  • Abgelaufene oder verschmutzte Linsen: Ablagerungen verschlechtern Sitz und Tränenaustausch.

Was hilft?

  • Silikon-Hydrogel: In Studien zeigten Träger mit Silikon-Hydrogel-Linsen keine Zunahme von Rötung und Gefäßeinsprossung, anders als mit Hydrogel-Linsen geringer Sauerstoffdurchlässigkeit. In einer Umstiegsstudie gingen Rötung und Gefäßeinsprossung schon nach wenigen Wochen zurück.
  • Formstabile Linsen: Moderne gasdurchlässige Materialien lassen viel Sauerstoff durch, und beim Blinzeln wird Tränenflüssigkeit unter der Linse ausgetauscht.
  • Tragezeit begrenzen und regelmäßig Brillentage einlegen.
  • Nicht mit Linsen schlafen, auch kein Mittagsschlaf, wenn die Linse nicht dafür zugelassen ist.
  • Kontrolle: Bei Gefäßeinsprossung kann der Augenarzt eine Linsenpause anordnen.

Häufige Fragen

Welche Kontaktlinsen lassen am meisten Sauerstoff durch?

Silikon-Hydrogel-Linsen und moderne formstabile Linsen. Konkrete Dk/t-Werte geben die Hersteller an, Beispiele unter Welches Material ist das beste?

Sind Hydrogel-Linsen deshalb schlecht?

Nein. Für das Tragen am Tag reichen viele Hydrogel-Linsen aus, vor allem als Tageslinsen. Wichtig ist, die Tragezeit einzuhalten und nicht mit ihnen zu schlafen.

Gehen eingewachsene Gefäße wieder weg?

Ein Fortschreiten lässt sich gut stoppen, wenn die Ursache behoben ist. Ganz verschwinden sie oft nicht, sondern bleiben als feine, leere Gefäße sichtbar.

Was bedeutet der Wassergehalt für den Sauerstoff?

Bei Hydrogel-Linsen gilt: mehr Wasser, mehr Sauerstoff. Bei Silikon-Hydrogel ist es umgekehrt. Mehr unter Wassergehalt von Kontaktlinsen.

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Quellen

Zuletzt geprüft: Oktober 2026.