Kurz gesagt: Bei einer Bindehautentzündung sollten Sie keine Kontaktlinsen tragen, sondern auf die Brille umsteigen, bis das Auge abgeheilt ist und der Augenarzt grünes Licht gibt. Tageslinsen und Behälter, die Sie während der Entzündung benutzt haben, gehören in den Müll.
Kontaktlinsenträger sollten mit einem roten Auge nicht selbst herumprobieren: Hinter Schmerzen, Lichtempfindlichkeit oder schlechterer Sicht kann eine Hornhautentzündung stecken, die schnell behandelt werden muss. Viral und bakteriell ist eine Bindehautentzündung ansteckend, gute Hygiene schützt andere.
Was ist eine Bindehautentzündung?
Die Bindehaut überzieht das Weiße des Auges und die Innenseite der Lider. Ist sie entzündet (Konjunktivitis), wird das Auge rot, tränt, juckt oder brennt. Laut gesundheitsinformation.de des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) gibt es vor allem drei Formen:
| Form | Typische Zeichen | Ansteckend? |
|---|---|---|
| Viral (z. B. Adenoviren) | wässriges Sekret, oft erst ein Auge, dann beide; teils geschwollener Lymphknoten vor dem Ohr | ja, sehr |
| Bakteriell | gelblich-weißes Sekret, morgens verklebte Lider | ja |
| Allergisch | Juckreiz, meist beide Augen, oft zusammen mit Heuschnupfen | nein |
Auch Reizstoffe wie Rauch, Staub oder trockene Luft können eine Bindehautentzündung auslösen.
Bindehautentzündung durch Kontaktlinsen
Kontaktlinsen können selbst eine Reizung der Bindehaut verursachen. Die häufigste ist die Riesenpapillenkonjunktivitis (gigantopapilläre Konjunktivitis, GPC). Dabei bilden sich auf der Innenseite des Oberlids kleine Knötchen. Die Augen jucken, die Linse verrutscht und fühlt sich unangenehm an. Laut American Academy of Ophthalmology (AAO) entsteht sie durch die ständige Reibung der Linse, durch Ablagerungen auf der Linse oder durch eine Allergie gegen Linse oder Pflegemittel. Am häufigsten betroffen sind Träger weicher Linsen.
Behandelt wird sie mit einer Linsenpause von einigen Wochen, Tropfen vom Augenarzt und oft einem Wechsel des Systems: kürzere Tragezeiten, häufiger getauschte Linsen wie Tageslinsen oder ein konservierungsmittelfreies Peroxidsystem.
Achtung: Hornhautentzündung erkennen
Für Kontaktlinsenträger ist ein rotes Auge nie eine Kleinigkeit. Laut gesundheitsinformation.de greift eine Bindehautentzündung selten auf die Hornhaut über, vor allem bei Linsenträgern. BVA und DOG betonen, dass bei kontaktlinsenbedingten Entzündungen besondere Keime schwere Hornhautentzündungen auslösen können. Gehen Sie sofort zum Augenarzt, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- Schmerzen, die nach dem Herausnehmen der Linse nicht besser werden oder zunehmen
- Lichtempfindlichkeit
- plötzlich verschwommenes oder schlechteres Sehen
- starke Rötung, Fremdkörpergefühl, ungewöhnlicher Ausfluss
Eine unbehandelte Hornhautentzündung (Keratitis) kann bleibende Narben hinterlassen. Mehr dazu unter Fremdkörpergefühl bei Kontaktlinsen.
Was Kontaktlinsenträger bei einer Bindehautentzündung tun sollten
- Linsen sofort herausnehmen und die Brille tragen.
- Zum Augenarzt gehen. BVA und DOG halten eine sichere Diagnose nur mit der Spaltlampe beim Augenarzt für möglich und raten von Selbstbehandlung ab.
- Tageslinsen und Behälter entsorgen, die Sie seit Beginn der Beschwerden benutzt haben. Wiederverwendbare Linsen nur nach Rücksprache mit dem Arzt weiterverwenden und gründlich desinfizieren. Den Behälter ersetzen.
- Linsenpause einhalten, bis die Entzündung abgeheilt ist und Ihr Augenarzt es erlaubt. Bei Antibiotika-Tropfen die Behandlung zu Ende führen.
- Mit frischen Linsen neu starten, am besten mit einem neuen Paar.
Ansteckung vermeiden
- Nicht ins Auge fassen, danach und nach dem Tropfen gründlich Hände waschen.
- Handtücher, Waschlappen, Kissen, Augentropfen und Make-up nicht teilen.
- Für das gesunde und das kranke Auge kein gemeinsames Tropffläschchen verwenden.
- Bei Adenoviren empfiehlt das Robert Koch-Institut, Wäsche bei 90 °C zu waschen und viruzide Desinfektionsmittel zu verwenden.
Augen reinigen
Verklebtes Sekret können Sie mehrmals täglich mit einem sauberen, mit abgekochtem und abgekühltem Wasser befeuchteten Wattepad oder Tuch abwischen, für jedes Auge ein neues. Gesundheitsämter empfehlen, dabei zur Nase hin zu wischen. Kamillenaufgüsse oder Teebeutel gehören laut Berufsverband der Augenärzte nicht auf die Augen.
Darf man mit einer Bindehautentzündung arbeiten?
Ein generelles gesetzliches Tätigkeitsverbot gibt es in Deutschland nicht: Die Bindehautentzündung gehört nicht zu den Krankheiten in § 34 des Infektionsschutzgesetzes. Ob Sie arbeiten können, beurteilt Ihr Arzt. Er kann Sie krankschreiben, damit sich niemand am Arbeitsplatz ansteckt. Bei der durch Adenoviren ausgelösten Keratoconjunctivitis epidemica ist laut Robert Koch-Institut medizinisches Personal mit Symptomen im Umgang mit Patienten nicht arbeitsfähig. In Kita und Schule wird bei dieser Form meist ein ärztliches Attest für die Wiederzulassung verlangt. Ansteckend ist sie meist in den ersten zwei Wochen.
Behandlung
- Viral: Antibiotika helfen nicht. Die Entzündung heilt meist in ein bis zwei Wochen von selbst. Kühlende Kompressen und Tränenersatz können lindern.
- Bakteriell: Antibiotische Augentropfen beschleunigen die Heilung etwas. Laut IQWiG waren nach 4 bis 9 Tagen ohne Antibiotika etwa 48 von 100, mit Antibiotika etwa 61 von 100 geheilt.
- Allergisch: antiallergische Augentropfen, Auslöser meiden. Mehr dazu unter Kontaktlinsen bei Allergien.
Vorbeugen
- Linsen nur mit frisch gewaschenen Händen anfassen, Tragezeiten einhalten.
- Jeden Abend frische Pflegelösung, Behälter regelmäßig ersetzen, kein Leitungswasser. Mehr unter Kontaktlinsen richtig reinigen.
- Nicht mit Linsen schlafen, außer sie sind dafür zugelassen.
- Bei häufigen Reizungen mit dem Anpasser über Tageslinsen oder ein anderes Pflegemittel sprechen.
Häufige Fragen
Darf ich mit Bindehautentzündung Kontaktlinsen tragen?
Nein. Tragen Sie die Brille, bis die Entzündung abgeheilt ist und Ihr Augenarzt die Linsen wieder erlaubt.
Können Kontaktlinsen eine Bindehautentzündung auslösen?
Ja, etwa durch Ablagerungen, mangelnde Hygiene oder eine Unverträglichkeit von Linse oder Pflegemittel. Typisch ist die Riesenpapillenkonjunktivitis.
Muss ich meine Kontaktlinsen nach einer Bindehautentzündung wegwerfen?
Tageslinsen und den Behälter ja. Bei wiederverwendbaren Linsen fragen Sie Ihren Augenarzt, im Zweifel ein neues Paar verwenden.
Wie lange dauert eine Bindehautentzündung?
Viral meist ein bis zwei Wochen, bakteriell oft wenige Tage. Hält sie länger als vier Wochen an, gilt sie als chronisch.
Weiterlesen
Quellen
- gesundheitsinformation.de (IQWiG): Bindehautentzündung und Wie wird eine Bindehautentzündung behandelt?
- DOG und BVA: Pressemitteilung zur Selbstbehandlung roter Augen (PDF, 06/2026)
- Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber Adenovirus-Konjunktivitis und Wiederzulassung nach § 34 IfSG (PDF)
- American Academy of Ophthalmology: Conjunctivitis und Giant Papillary Conjunctivitis (englisch)
- CDC: Preventing Pink Eye und Contact Lens-related Eye Infections (englisch)
- NHS: Conjunctivitis (englisch)
- Gesundheitsamt Breisgau-Hochschwarzwald: Merkblatt Bindehautentzündung (PDF)
Zuletzt geprüft: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine augenärztliche Untersuchung.