Kurz gesagt: Weiche Austauschlinsen werden heute fast immer vollautomatisch in Formen gegossen, Millionen Stück pro Werk. Formstabile Linsen und Sonderanfertigungen werden dagegen einzeln auf computergesteuerten Drehbänken gefertigt. Danach werden die Linsen geprüft, in Kochsalzlösung verpackt und im Autoklav sterilisiert.
Die erste korrigierende Kontaktlinse aus Glas stammt von 1888, die weiche Linse wurde Ende der 1950er-Jahre in Prag erfunden. Auch in Deutschland werden Kontaktlinsen hergestellt.
Woraus bestehen Kontaktlinsen?
| Material | Typisch für |
|---|---|
| Hydrogel (z. B. HEMA) | klassische weiche Linsen, viele Tageslinsen |
| Silikon-Hydrogel | die meisten modernen weichen Linsen, mehr Sauerstoff |
| Fluorsilikon- oder Siloxanacrylat | formstabile, gasdurchlässige Linsen |
| PMMA (Plexiglas) | alte harte Linsen, heute kaum noch verwendet |
Mehr zu den Materialien unter Welches Material ist das beste? und Silikon-Hydrogel-Kontaktlinsen.
Aufbau einer Kontaktlinse
- Rückfläche mit Basiskurve: liegt auf dem Auge und muss zur Wölbung der Hornhaut passen.
- Vorderfläche: trägt die optische Korrektur.
- Durchmesser: bei weichen Linsen meist um 14 mm, formstabile Linsen sind deutlich kleiner.
- Mittendicke: bei modernen weichen Linsen nur Bruchteile eines Millimeters, zum Beispiel 0,07 mm bei ACUVUE OASYS in -3,00 dpt.
- Extras: leichte Färbung zum besseren Wiederfinden (Handling-Tönung), UV-Blocker, bei torischen Linsen ein Stabilisierungsbereich.
Die drei Herstellungsverfahren
1. Gießen in Formen (Massenfertigung)
Die meisten Austauschlinsen werden in Formen gegossen. Der flüssige Kunststoff kommt zwischen zwei Formhälften für Vorder- und Rückseite und wird durch Licht oder Wärme ausgehärtet. Danach wird die Linse aus der Form gelöst, in Wasser von Rückständen befreit und quillt auf ihren endgültigen Wassergehalt. Alcon fertigt die DAILIES-Tageslinsen in einem besonderen Verfahren mit wiederverwendbaren Formen aus Quarz und Glas und UV-Licht. Diese Linsen entstehen bereits voll gequollen, ein Auswaschschritt entfällt.
2. Drehen (Einzelfertigung)
Formstabile Linsen und viele Sonderanfertigungen werden aus einem Kunststoffrohling auf computergesteuerten Drehbänken herausgeschnitten. Weiche gedrehte Linsen werden anschließend gequollen. Das Verfahren ist langsamer, aber sehr präzise und erlaubt individuelle Parameter. Deshalb sind solche Linsen teurer.
3. Schleudergießen
Beim Schleudergießen wird das flüssige Material in einer rotierenden Form verteilt, die Fliehkraft formt die Rückfläche. Mit diesem Verfahren entstanden die ersten weichen Linsen von Otto Wichterle. Bausch + Lomb erwarb 1966 die Rechte daran und baute die Fertigung zur Serienproduktion aus.
Prüfen, verpacken, sterilisieren
- Prüfung von Form, Durchmesser und Oberfläche unter starker Vergrößerung
- Verpackung im Blister oder Fläschchen mit gepufferter Kochsalzlösung
- Sterilisation der verschlossenen Packung im Autoklav, typischerweise bei etwa 121 °C
- Kennzeichnung mit Stärke, Charge und Verfallsdatum
Ungeöffnete Linsen sind deshalb lange haltbar. Das Verfallsdatum auf der Packung gilt trotzdem, siehe Abgelaufene Kontaktlinsen.
Wie viele Linsen werden produziert?
Die großen Hersteller produzieren in hochautomatisierten Werken. Johnson & Johnson gibt an, allein für Patienten in den USA mehr als 1,7 Milliarden ACUVUE-Linsen pro Jahr herzustellen. CooperVision beschäftigt in seinen Werken in Puerto Rico rund 2.000 Menschen.
Kontaktlinsen aus Deutschland
- Alcon, Großwallstadt (Bayern): großer Forschungs- und Produktionsstandort mit rund 2.000 Beschäftigten.
- Wöhlk, Schönkirchen bei Kiel: Entwicklung und Fertigung vor Ort, seit 2020 Teil der japanischen SEED-Gruppe. Wöhlk fertigte schon 1940 eigene Sklerallinsen.
- Hecht Contactlinsen, Au bei Freiburg: Fertigung individueller Linsen in Deutschland.
Kurze Geschichte der Kontaktlinse
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1508 | Leonardo da Vincis Wasserschalen-Experiment gilt oft als Idee der Kontaktlinse, beschreibt aber keine Linse. |
| 1887/1888 | F. A. Müller fertigt eine geblasene Glasschale. 1888 beschreiben Adolf Fick und Eugène Kalt unabhängig voneinander die ersten korrigierenden Glas-Kontaktlinsen. |
| ab ca. 1940 | Kunststoff PMMA verdrängt Glas. |
| 1948/1950 | Kevin Tuohy entwickelt die kleine harte Hornhautlinse aus PMMA. |
| 1959 bis 1961 | Otto Wichterle und Drahoslav Lím entwickeln das Hydrogel. Weihnachten 1961 entstehen die ersten weichen Linsen auf einer selbstgebauten Maschine. |
| 1971 | Bausch + Lomb bringt mit der Soflens die erste weiche Serienlinse in den USA auf den Markt. |
| 1970er | gasdurchlässige formstabile Linsen |
| 1987 / 1994 | erste Austauschlinse, später erste Tageslinse |
| 1998/1999 | erste Silikon-Hydrogel-Linsen |
Häufige Fragen
Aus was bestehen Kontaktlinsen?
Weiche Linsen aus wasserhaltigen Kunststoffen (Hydrogel oder Silikon-Hydrogel), formstabile aus gasdurchlässigen Kunststoffen.
Wer hat die Kontaktlinse erfunden?
Die ersten korrigierenden Glaslinsen beschrieben 1888 Adolf Fick und Eugène Kalt. Die weiche Linse geht auf Otto Wichterle und Drahoslav Lím aus Prag zurück.
Warum sind Sonderanfertigungen teurer?
Sie werden einzeln gedreht und nicht in großen Serien gegossen.
Weiterlesen
Quellen
- All About Vision: How contacts are made (englisch)
- Contact Lens Spectrum: LightStream-Verfahren (1998), 25 Jahre weiche Linsen (1996), Contact Lens Materials (2006) (englisch)
- British Optical Association Museum: The history of contact lenses (englisch)
- Radio Prague International: Otto Wichterle und die weiche Kontaktlinse (englisch)
- Manufacturing Dive: J&J erweitert ACUVUE-Produktion; CooperVision: Investition Puerto Rico (englisch)
- Optometry Today: Alcon-Standort Großwallstadt (englisch); TU Darmstadt: Alcon Großwallstadt
- Wöhlk: Unternehmensgeschichte; Hecht: Produktinformation (PDF)
- Johnson & Johnson: ACUVUE OASYS Produktdaten (englisch)
Zuletzt geprüft: Oktober 2026.