Keratokonus (Hornhautkegel): Symptome, Behandlung, Kontaktlinsen

Kurz gesagt: Beim Keratokonus wird die Hornhaut dünner und wölbt sich kegelförmig nach vorn. Die Erkrankung beginnt meist im Teenager- oder jungen Erwachsenenalter und kommt oft um das 40. Lebensjahr zum Stillstand. Typisch sind verzerrtes, unscharfes Sehen und häufig wechselnde Brillenwerte.

Im frühen Stadium reichen Brille oder Kontaktlinsen, später sind formstabile Linsen oder Sklerallinsen meist die beste Sehhilfe. Schreitet der Keratokonus fort, kann ein Crosslinking ihn bremsen. Das zahlt die gesetzliche Krankenkasse unter bestimmten Voraussetzungen.

Was ist ein Keratokonus?

Der Keratokonus ist eine nicht entzündliche Erkrankung der Hornhaut. Das Gewebe wird schwächer und dünner und gibt dem Augeninnendruck nach, sodass sich die Hornhaut kegelförmig vorwölbt. Meist sind beide Augen betroffen, oft zeitversetzt und unterschiedlich stark. Laut Gesundheitsportal des Bundes beginnt die Erkrankung bei Jungen meist im Teenageralter, bei Frauen eher Anfang 20.

Wie häufig ist Keratokonus?

Lange galt Keratokonus als selten, mit einer älteren Schätzung von etwa einem Betroffenen auf 2.000 Menschen. Neuere Messungen zeigen deutlich höhere Zahlen: In den Niederlanden war etwa einer von 375 Menschen betroffen. In der Gutenberg-Gesundheitsstudie aus Mainz hatten 0,49 Prozent der untersuchten 40- bis 80-Jährigen einen Keratokonus, also etwa einer von 200. Ein Grund für den Unterschied: Mit modernen Messgeräten werden auch leichte Formen erkannt.

Ursachen und Risikofaktoren

  • Veranlagung: Laut Gesundheitsportal des Bundes haben etwa 6 bis 8 Prozent der Betroffenen erkrankte Angehörige.
  • Augenreiben: häufiges, kräftiges Reiben gilt als Risikofaktor. Wer zu juckenden Augen neigt, sollte nicht reiben.
  • Allergien und Neurodermitis: werden oft genannt, die Studienlage ist aber uneinheitlich.
  • Bestimmte Erkrankungen: Menschen mit Down-Syndrom sowie mit Bindegewebserkrankungen wie dem Marfan-Syndrom erkranken häufiger.

Symptome: So verändert sich die Sicht

  • verschwommenes und verzerrtes Sehen, gerade Linien wirken wellig
  • Blendempfindlichkeit, besonders nachts
  • zunehmende Kurzsichtigkeit und Hornhautverkrümmung
  • Brillenwerte ändern sich häufig, die neue Brille hilft nur kurz
  • weiche Kontaktlinsen passen irgendwann nicht mehr gut

Im Frühstadium wird ein Keratokonus oft für eine normale Hornhautverkrümmung gehalten. Ändern sich die Werte auffällig, vermisst der Augenarzt die Hornhaut mit einer Topographie oder Tomographie.

Achtung: akuter Keratokonus

In fortgeschrittenen Fällen kann die innere Schicht der Hornhaut einreißen. Wasser dringt ein, die Hornhaut schwillt an und wird trüb, das Sehen verschlechtert sich plötzlich, oft mit Schmerzen. Das ist ein Fall für den Augenarzt am selben Tag.

Behandlung

Stadium Möglichkeiten
früh Brille oder weiche Kontaktlinsen
mittel formstabile Kontaktlinsen, die die unregelmäßige Hornhaut optisch ausgleichen
fortgeschritten Sklerallinsen oder Hybridlinsen, intrakorneale Ringsegmente
Fortschreiten Crosslinking, um die Hornhaut zu stabilisieren
sehr fortgeschritten Hornhauttransplantation (Keratoplastik)

Kontaktlinsen bei Keratokonus

Formstabile Linsen sind die wichtigste Sehhilfe beim Keratokonus. Unter der festen Linse bildet sich ein Tränenfilm, der die Unregelmäßigkeiten der Hornhaut ausgleicht. In einer Auswertung der Universitätsaugenklinik Homburg mit 200 Patienten erreichten die Betroffenen mit Kontaktlinse eine Sehschärfe von 0,84, mit Brille nur 0,54. Fast alle trugen formstabile Linsen.

Sklerallinsen sind große formstabile Linsen, die auf der Lederhaut aufliegen und die Hornhaut überbrücken. Sie kommen laut Zentralverband der Augenoptiker (ZVA) infrage, wenn normale formstabile Linsen kein gutes Sehen bringen oder oft herausfallen. Die Anpassung gehört in erfahrene Hände, Kontrollen sind alle drei bis sechs Monate nötig. Mehr zu formstabilen Linsen unter Formstabile Kontaktlinsen.

Crosslinking

Beim Crosslinking wird unter örtlicher Betäubung die oberste Hornhautschicht entfernt, dann wird Riboflavin (Vitamin B2) aufgetropft und mit UV-A-Licht bestrahlt. Dadurch vernetzt sich das Gewebe und wird stabiler. Die Sehschwäche wird nicht korrigiert, das Fortschreiten aber gebremst. In den Niederlanden sank nach Einführung des Crosslinkings die Zahl der Hornhauttransplantationen wegen Keratokonus bei unter 50-Jährigen um etwa ein Viertel.

Hornhauttransplantation

Ist die Hornhaut zu dünn oder trüb und reichen Linsen nicht mehr, wird sie ganz oder teilweise durch eine Spenderhornhaut ersetzt. Laut Deutschem Keratoplastik-Register wurden 2022 in Deutschland 459 Hornhauttransplantationen wegen Keratokonus durchgeführt, rund 5 Prozent aller Keratoplastiken.

Was zahlt die Krankenkasse?

  • Crosslinking: Seit 2018 ist es Kassenleistung, wenn der Keratokonus nachweislich fortschreitet. Voraussetzung ist unter anderem, dass sich in den letzten zwölf Monaten Hornhautwerte oder Hornhautverkrümmung um mindestens eine Dioptrie verschlechtert haben und die Hornhaut an der dünnsten Stelle mindestens 400 Mikrometer dick ist.
  • Kontaktlinsen: Keratokonus gehört laut Hilfsmittel-Richtlinie zu den Ausnahmen, bei denen die Kasse Kontaktlinsen bezahlt. Regelversorgung sind formstabile Linsen, weiche Linsen nur nach einem erfolglosen Versuch mit formstabilen. Die erste Verordnung stellt der Augenarzt aus. Tageslinsen und Pflegemittel sind ausgeschlossen. Die Zuzahlung beträgt 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro.

Fragen Sie vorab bei Ihrer Krankenkasse nach, welche Optiker Vertragspartner sind.

Häufige Fragen

Wie sieht man mit Keratokonus?

Verschwommen und verzerrt, dazu kommt oft Blendempfindlichkeit. Meist ist ein Auge stärker betroffen.

Darf ich mit Keratokonus Auto fahren?

Ja, wenn die gesetzliche Mindestsehschärfe mit Sehhilfe erreicht wird. Mehr unter Kontaktlinsen im Straßenverkehr.

Hilft Augenreiben-Vermeiden wirklich?

Reiben gilt als Risikofaktor. Wer Juckreiz hat, sollte die Ursache behandeln lassen, etwa eine Allergie.

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Quellen

Zuletzt geprüft: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine augenärztliche Untersuchung.