Alterssichtigkeit (Presbyopie): Symptome, Ursachen & Korrektur

Kurz gesagt: Alterssichtigkeit (Presbyopie) ist keine Krankheit, sondern eine natürliche Alterung der Augenlinse. Sie wird mit den Jahren steifer und kann sich nicht mehr so gut auf nahe Dinge einstellen. Die meisten merken das ab Mitte 40: Der Arm wird zum Lesen „zu kurz“.

Ausgleichen lässt sich die Alterssichtigkeit mit Lesebrille, Gleitsichtbrille oder Kontaktlinsen, zum Beispiel mit multifokalen Linsen oder Monovision. Augentraining hält sie nicht auf. Augentropfen gegen Alterssichtigkeit sind bisher nur in den USA zugelassen.

Was passiert bei Alterssichtigkeit?

Um nahe Dinge scharf zu sehen, wölbt sich die elastische Augenlinse stärker. Diese Fähigkeit heißt Akkommodation. Mit dem Alter wird die Linse fester und der Ziliarmuskel, der sie verformt, schwächer. Die Akkommodation nimmt deshalb kontinuierlich ab: von rund 13 Dioptrien in der Jugend auf etwa 6 mit 40, etwa 2 mit 50 und nur noch etwa 1 Dioptrie mit 60 Jahren.

Laut Berufsverband der Augenärzte (BVA) bemerken die meisten Menschen die Alterssichtigkeit ab etwa 45 Jahren. Bis etwa 65 nimmt sie weiter zu, danach bleibt sie meist stabil. Weltweit sind rund 1,8 Milliarden Menschen alterssichtig, in Deutschland schätzungsweise etwa die Hälfte der Bevölkerung.

Alter Typischer Nahzusatz (Addition)
40–45 Jahre +0,75 bis +1,25 dpt
46–55 Jahre +1,50 bis +2,25 dpt
ab 55 Jahren ab +2,50 dpt

Orientierungswerte; der tatsächliche Wert wird beim Augenarzt oder Optiker gemessen.

Symptome

  • Kleine Schrift verschwimmt, Lesestoff wird immer weiter weg gehalten.
  • Lesen klappt nur noch bei hellem Licht.
  • Längeres Lesen oder Handyarbeit strengt an, die Augen brennen oder ermüden.
  • Kopfschmerzen nach Naharbeit, besonders am Abend.

Alterssichtigkeit, Kurzsichtigkeit und Weitsichtigkeit

Alterssichtigkeit kommt zu einer bestehenden Fehlsichtigkeit hinzu:

  • Kurzsichtige bemerken sie oft später und schwächer. Viele können einfach die Fernbrille abnehmen, um zu lesen.
  • Weitsichtige und Normalsichtige haben früher und stärker Probleme in der Nähe.

Gibt es „Alterskurzsichtigkeit“?

Einen medizinischen Begriff dieses Namens gibt es nicht. Gemeint ist oft die Alterssichtigkeit selbst. Es gibt aber ein Phänomen, das manche verwundert: Ein beginnender Grauer Star kann das Auge etwas kurzsichtiger machen. Dann kann man plötzlich wieder ohne Brille lesen. Dieses „zweite Sehen“ hält nur eine Zeit lang an und ist ein Grund, die Augen untersuchen zu lassen.

Welche Korrektur passt?

Möglichkeit Gut für Zu beachten
Lesebrille Normalsichtige, die nur in der Nähe Hilfe brauchen muss für die Ferne abgesetzt werden
Gleitsichtbrille alle Entfernungen mit einer Brille Eingewöhnung, seitliche Unschärfe
Multifokale Kontaktlinsen Ferne und Nähe ohne Brille Kompromiss bei Kontrast, nachts Lichthöfe möglich
Monovision mit Kontaktlinsen ein Auge für die Ferne, eines für die Nähe etwas weniger räumliches Sehen
Fern-Kontaktlinsen plus Lesebrille einfach, scharfe Fernsicht Lesebrille immer dabei
Operation (Linsentausch, Laser) Einzelfälle, oft zusammen mit Grauem Star Risiken, Halos; reiner Laser für Alterssichtigkeit laut gesund.bund.de nicht geeignet

Kontaktlinsen bei Alterssichtigkeit

Wer bereits Kontaktlinsen trägt, muss bei Alterssichtigkeit nicht aufhören. Drei Wege sind üblich:

  1. Multifokale Kontaktlinsen haben Zonen für Ferne, Zwischenbereich und Nähe. Das Gehirn lernt, das jeweils scharfe Bild zu nutzen. Es gibt sie als Tages- und Monatslinsen und auch für Hornhautverkrümmung. Alle Details lesen Sie im Ratgeber Mehrstärkenlinsen.
  2. Monovision: Das dominante Auge wird für die Ferne korrigiert, das andere mit einem Nahzusatz von meist +1,5 bis +2,5 Dioptrien für die Nähe.
  3. Lesebrille über den Kontaktlinsen: die einfachste Lösung, wenn Sie scharfe Fernsicht ohne Kompromisse wollen.

Welche Lösung passt, hängt von Ihren Werten, Ihrem Alltag und Ihren Augen ab. Der BVA empfiehlt eine Anpassung nach augenärztlicher Untersuchung. Mehr dazu unter Kontaktlinsen anpassen lassen.

Passende Linsen finden Sie im Preisvergleich für multifokale Kontaktlinsen.

Hilft Augentraining gegen Alterssichtigkeit?

Nein. Das Gesundheitsportal des Bundes schreibt: „Ein Training der Ziliarmuskeln kann nichts daran ändern, dass die Elastizität der Linse mit den Jahren abnimmt.“ Auch Augenärzte sehen in Augengymnastik keine Möglichkeit, die Alterssichtigkeit aufzuhalten. Eine kleine Studie zu einem Wahrnehmungstraining am Bildschirm zeigte eine bessere Lesefähigkeit, die Akkommodation änderte sich dabei aber nicht. Der Effekt beruhte auf der Bildverarbeitung im Gehirn.

Augentropfen gegen Alterssichtigkeit

In den USA sind seit 2021 Augentropfen zugelassen, die die Pupille verengen und so die Schärfentiefe in der Nähe erhöhen, etwa mit Pilocarpin oder Aceclidin. Sie wirken einige Stunden. Nachteile sind schlechteres Sehen bei wenig Licht, Kopfschmerzen und gerötete Augen. In Deutschland und der EU sind solche Tropfen bisher nicht zugelassen. Für ein Präparat wurde 2026 die Zulassung bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur beantragt.

Zahlt die Krankenkasse?

Bei Erwachsenen bezahlt die gesetzliche Krankenkasse Sehhilfen nur in Ausnahmefällen, etwa bei sehr hohen Stärken. Eine Lesebrille oder Mehrstärken-Kontaktlinsen nur wegen Alterssichtigkeit zahlen Sie in der Regel selbst. Mehr dazu unter Wie viel kosten Kontaktlinsen?

Häufige Fragen

Ab wann beginnt die Alterssichtigkeit?

Meist zwischen 40 und 45 Jahren. Bis etwa 65 nimmt sie zu, danach bleibt sie meist stabil.

Kann man Alterssichtigkeit mit Kontaktlinsen korrigieren?

Ja, mit multifokalen Kontaktlinsen, mit Monovision oder mit Fernlinsen plus Lesebrille.

Kann man Alterssichtigkeit aufhalten?

Nein. Sie ist eine natürliche Alterung der Linse. Augentraining hält sie nicht auf.

Warum sehen Kurzsichtige im Alter oft ohne Brille gut in der Nähe?

Weil ihr Auge von Natur aus auf die Nähe eingestellt ist. Nehmen sie die Fernbrille ab, gleicht die Kurzsichtigkeit die nachlassende Akkommodation teilweise aus.

Weiterlesen

Quellen

Zuletzt geprüft: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine augenärztliche Untersuchung.