Rot-Grün-Schwäche: Ursachen, Test und Hilfen

Kurz gesagt: Bei einer Rot-Grün-Schwäche werden Rot- und Grüntöne schlechter unterschieden, aber meist nicht völlig vertauscht. Sie ist fast immer angeboren und betrifft etwa 8 Prozent der Männer und rund 0,4 bis 0,5 Prozent der Frauen. Die häufigste Form ist die Grünschwäche (Deuteranomalie). Heilbar ist sie nicht, die meisten kommen im Alltag aber gut zurecht.

Für den Pkw-Führerschein gibt es keine Anforderung an das Farbsehen. Spezielle Filterbrillen oder rote Kontaktlinsen können den Kontrast mancher Farben verbessern, stellen aber kein normales Farbsehen her.

Was ist eine Rot-Grün-Schwäche?

In der Netzhaut gibt es drei Arten von Zapfen für das Farbsehen: für Rot, Grün und Blau. Bei der Rot-Grün-Schwäche arbeiten die Rot- oder Grünzapfen nicht richtig oder fehlen. Laut Gesundheitsportal des Bundes ist sie deshalb streng genommen keine Farbenblindheit, sondern eine Farbfehlsichtigkeit. Fachleute sprechen allgemein von Farbsinnstörungen oder Dyschromatopsie. Nach dem Chemiker John Dalton, der selbst betroffen war, nennt man sie auch Daltonismus.

Formen

Fachbegriff Bedeutung
Deuteranomalie Grünschwäche, die häufigste Form; meist mild
Protanomalie Rotschwäche; Rottöne wirken grünlicher und dunkler
Deuteranopie Grünblindheit; Rot und Grün sind nicht zu unterscheiden
Protanopie Rotblindheit; Rot und Grün sind nicht zu unterscheiden, Rot wirkt sehr dunkel

Wie häufig ist die Rot-Grün-Schwäche und warum trifft sie vor allem Männer?

Etwa 8 Prozent der Männer und 0,4 bis 0,5 Prozent der Frauen haben eine angeborene Rot-Grün-Schwäche, laut US-amerikanischem National Eye Institute rund jeder zwölfte Mann. Der Grund liegt in der Vererbung: Die Anlage sitzt auf dem X-Chromosom. Männer haben nur ein X-Chromosom, bei ihnen reicht eine veränderte Anlage. Frauen haben zwei und sind nur betroffen, wenn beide die Veränderung tragen. Häufiger sind sie unbemerkte Trägerinnen, die die Anlage an ihre Söhne weitergeben.

Seltener entsteht eine Farbsinnstörung im Laufe des Lebens, etwa durch Augenkrankheiten wie Grünen oder Grauen Star, diabetische Netzhautschäden, Makuladegeneration, neurologische Erkrankungen oder bestimmte Medikamente. Erworbene Störungen betreffen häufig das Blau-Gelb-Sehen. Verändert sich das Farbsehen plötzlich, sollten Sie das augenärztlich abklären lassen.

Woran merkt man eine Rot-Grün-Schwäche?

  • Rote und grüne Töne, aber auch Braun, Orange und Oliv werden leicht verwechselt.
  • Kleidung wirkt anders als für andere, etwa ein hellpinker Pullover dunkelrot.
  • Bei starker Rotschwäche erscheinen rote Lichter dunkler, etwa Rücklichter im Nebel.
  • Bei Ampeln orientieren sich viele an der Position der Lichter: Rot ist oben.
  • Diagramme und Karten in Rot und Grün sind schwer zu lesen.

Viele Betroffene bemerken die Schwäche lange nicht, weil sie nie anders gesehen haben.

Diagnose

Den ersten Hinweis gibt meist ein Test mit Ishihara-Tafeln: Punkte in verschiedenen Farben bilden Zahlen, die Menschen mit Rot-Grün-Schwäche nicht oder anders erkennen. Genau bestimmen lässt sich die Art und Stärke beim Augenarzt mit dem Anomaloskop. Dabei mischt man Rot und Grün, bis die Farbe einem vorgegebenen Gelb entspricht. Getestet werden kann etwa ab dem Schulalter.

Führerschein und Beruf

  • Pkw und Motorrad: Die Fahrerlaubnis-Verordnung stellt für die Gruppe 1 (u. a. Klasse B) keine Anforderung an das Farbsehen.
  • Lkw und Bus: Für die Gruppe 2 wird Normalfarbsehen geprüft. Bei Rotblindheit oder starker Rotschwäche müssen Betroffene über die Gefährdung aufgeklärt werden. Für die Fahrgastbeförderung gelten strengere Regeln.
  • Berufe: Normales Farbsehen ist zum Beispiel für Lokführer, Piloten und bei der Polizei vorgeschrieben, oft auch in Elektro-, Maler- oder Druckberufen gefragt.
  • Wichtig: Filterbrillen oder Farbfilter-Kontaktlinsen, mit denen man Farbtests besteht, sind für Eignungstests nicht zugelassen.

Gibt es eine Behandlung?

Eine angeborene Rot-Grün-Schwäche ist nicht heilbar. Gentherapien wurden bisher nur im Tierversuch erprobt. Es gibt aber Hilfsmittel.

Farbfilterbrillen

Brillen wie die von EnChroma filtern bestimmte Wellenlängen heraus und können den Kontrast zwischen manchen Farben erhöhen. Laut American Academy of Ophthalmology (AAO) können sie bei milden Formen helfen, ersetzen aber kein natürliches Farbsehen. Eine Studie der Universität Granada fand keine Verbesserung in Farbsehtests. Nachts sind die Brillen wegen der Lichtminderung ungeeignet.

Kontaktlinsen bei Rot-Grün-Schwäche

Seit den 1970er-Jahren gibt es rot getönte Kontaktlinsen, etwa X-Chrom oder ChromaGen. Sie werden meist nur auf einem Auge getragen. Das Gehirn vergleicht die unterschiedlichen Bilder beider Augen und kann so manche Farben besser unterscheiden. Die Nachteile:

  • kein normales Farbsehen, sondern nur bessere Unterscheidung mancher Farbpaare
  • weniger Helligkeit, Kontrast und teils Sehschärfe auf dem Linsenauge
  • gestörtes räumliches Sehen und verzerrte Bewegungswahrnehmung möglich
  • in einer älteren Studie besser in Tafeltests, aber nicht beim Erkennen von Signallichtern

Ob solche Linsen in Deutschland aktuell angeboten werden, ist unklar. Wer sie ausprobieren möchte, sollte das mit einem spezialisierten Kontaktlinsenanpasser oder Augenarzt besprechen. Für Führerschein- und Berufstests sind sie nicht zulässig.

Praktische Hilfen

  • Farberkennungs-Apps, die die Farbe eines angetippten Punkts im Kamerabild benennen
  • Farbfilter für Farbsehschwächen in den Bedienungshilfen von Smartphones und Computern
  • Kleidung beschriften und sortieren

Häufige Fragen

Wie heißt Rot-Grün-Schwäche im Fachbegriff?

Allgemein Dyschromatopsie (Farbsinnstörung). Die Grünschwäche heißt Deuteranomalie, die Rotschwäche Protanomalie.

Können Frauen eine Rot-Grün-Schwäche haben?

Ja, aber selten: etwa 0,4 bis 0,5 Prozent der Frauen gegenüber rund 8 Prozent der Männer.

Darf man mit Rot-Grün-Schwäche Auto fahren?

Ja. Für den Pkw-Führerschein gibt es keine Anforderung an das Farbsehen. Für Lkw und Bus gelten strengere Regeln.

Helfen Kontaktlinsen gegen Rot-Grün-Schwäche?

Rot getönte Linsen können die Unterscheidung mancher Farben verbessern, stellen aber kein normales Farbsehen her und haben Nachteile für Kontrast und räumliches Sehen.

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Quellen

Zuletzt geprüft: Oktober 2026. Dieser Ratgeber ersetzt keine augenärztliche Untersuchung.